Bürger-
initiativen
Themen

Veranstaltungen
Termine

Meinung
Forum

Downloads
Presse

Wir über uns
Aktion 21
AKTION 21

Kulturmontag oder Montagskultur?


Samstag, 9. Juli 2016

Die offizielle Ankündigung des ORF zur FS-Sendung „Kulturmontag“ vom 11.07.2016 ist von einem „wording“ durchsetzt, das den deutlichen Versuch populistischer Verhetzung der Öffentlichkeit spiegelt. Die Brexit-Anführer nehmen sich dagegen ausgesprochen seriös aus.


Unter dem Titel „Welt-Erbe: Fluch und Segen – Welchen Effekt hat das UNESCO-Gütesiegel wirklich?“ finden sich die zwar abgeleierten, aber durch gebetsmühlenartiges Einhämmern brandgefährlichen, weil von vielen gedankenlos nachgeplapperten Begriffe wie „Käseglocke“, „ICOMOS-Verein“ oder „Welterbestatus“. Die Absicht, kulturelles Welterbe damit als lächerlichen Popanz hinzustellen, ist unverkennbar. Da hilft auch kein Pro und Kontra-Scheintheater, weil es ja von der Auswahl der Beteiligten abhängt, ob dabei Objektivität oder bloß geschickt übertünchte Parteinahme für eine Seite steht (worin unsere Medien jahrzehntelange Erfahrung haben).

Totschlagargument „Käseglocke“

Die „Erfinder“ dieses Ausdrucks für das „Welterbe“ der Wiener Innenstadt sind im Dunstkreis des als besonders kulturbewusst bekannten Wiener Bürgermeisters zu suchen, als es um das Monsterprojekt Wien Mitte ging, dessen abgespeckter Prestigebau auch in seiner heutigen Gestalt die Stadt verunziert, ohne funktionell auch nur annähernd zu halten, was vor 15 Jahren vollmundig angekündigt worden war. Wie auch vieles sonst übersahen die Schöpfer dieses an Populismus kaum überbietbaren „Arguments“ die Unangemessenheit des Vergleichs. Käseglocken – der Wiener Bürgermeister bevorzugt den Ausdruck Quargelsturz - dienen nämlich primär dazu, vor dem „strengen“ Geruch mancher Käsesorten zu schützen, Ungeziefer vom Käse abzuhalten und nicht dazu, den Käse vor verzehrbedingten Veränderungen zu bewahren. Wenn es also darum geht, kulturelle Monumente vor Zerstörung zu bewahren, wäre eher der Ausdruck „Schutzhülle“ angebracht. Aber der wäre ja, im Gegensatz zur „Käseglocke“, positiv konnotiert und das soll er ja nicht sein. Es ist der Zweck solcher Killerausdrücke, die Menschen unterschwellig gegen den Schutz kultureller Güter aufzuhetzen. „Wann i, verstehst, was z’redn hätt, i schoffert olles o“ lässt Josef Weinheber den typischen Biertippler „in sein‘ Schwü“ (in seinem permanent berauschten Zustand) sagen. Die Weinheber’schen Biertippler sind immer noch unter uns.

ICOMOS – ein „Verein“?
Die lapidare Bezeichnung „Verein ICOMOS“ hat den (offenbar gezielten) verächtlichen Beigeschmack, als handelte es sich um einen unbedeutenden Spar-, Taubenzüchter- oder Trachtenverein. Das wäre etwa so, als bezeichnete man das IOC oder dessen nationale Organisation ÖOC als „Verein IOC“). Formaljuristisch mag das ja stimmen. Semantisch ist eine derartige Formulierung nicht nur eine Abwertung von ICOMOS und deren Aufgaben, sondern ebenso eine Abwertung der UNESCO, einer Teilorganisation der Vereinten Nationen, zu deren Unterstützung in Fragen des kulturellen Welterbes gegründet wurde. Sind sich die Schöpfer solcher unterschwelliger Verächtlichmachung dessen bewusst, dass sie damit den Sinn der Zugehörigkeit zur UNO und zur UNESCO in Frage stellen? Dass das noch viel schlimmer ist, als einen möglichen Austritt aus der EU in Erwägung zu ziehen? Es ist nur zu hoffen, dass hier mehr Dummheit als Bosheit am Werk ist.
Was ist „Welterbestatus“?
Gedankenlosigkeit darf keine Entschuldigung sein. Wenn auch der flapsige, von Kulturfernen gern verwendete Ausdruck seiner Griffigkeit und Kürze wegen kaum noch auszumerzen ist: sein emsiger Gebrauch macht ihn nicht wirklich verständlich. Mit „Welterbestatus“ ist die Tatsache gemeint, dass die UNESCO einem Kulturgut das Prädikat „kulturelles Welterbe“ verliehen hat. „Status“ bedeutet „Zustand“, „Stand“ und stellt eine Eigenschaft dar. „Welterbe“ drückt aus, dass das Kulturgut nicht Sache seines Eigentümers oder jenes Landes ist, in dem es sich befindet, sondern dass es Sache der gesamten Welt ist, so wie auch Menschenrechte nicht nur Sache einzelner Staaten, sondern eben der gesamten Menschheit darstellen. Die Verleihung des Prädikats drückt dabei nur aus, dass ein bestimmtes Kulturgut ein solches der ganzen Welt darstellt und nicht, dass es erst durch die Prädikatsverleihung zu einem solchen geworden ist. Diese dient NICHT dazu, einen kommerziellen Nutzen daraus zu ziehen. Sie bezweckt, dass die gesamte Welt auf ein bestimmtes Kulturgut aufmerksam wird. Dementsprechend macht auch der Entzug des Prädikats darauf aufmerksam, dass ein solches „Welterbe“ von Vernichtung bedroht ist oder im Begriff ist zerstört zu werden. Mehr als die Weltöffentlichkeit darauf aufmerksam zu machen, dass ein Kulturstaat in Barbarei verfällt, kann die UNESCO mit dem Entzug und seinen Vorstadien (rote Liste udgl.) nicht bewirken. Die Zerstörung eines Kulturgutes wird nicht durch die Aberkennung des Prädikates ausgelöst, sondern durch den tatsächlichen Umgang mit ihm.
Wes Lied ich sing…

Schon die Wortwahl der Fragestellung „Funktioniert der UNESCO-Welterbestatus also wie eine Käseglocke, die jegliche architektonische Weiterentwicklung verhindert?“ ist also weitab von jeglicher Sachlichkeit und spiegelt den nachhaltigen Einfluss, den gebetsmühlenartig vorgetragene populistische Schönfärberei ausüben kann. Der „Welterbestatus“ ist kein Gerät, das „funktionieren“ soll. Es ist ein Hinweis auf eine bedeutende Stellung eines Kulturgutes in dieser Welt, sonst nichts. Sein Wert ist nicht messbar. Der Vergleich mit der Käseglocke ist Populismus pur. Völlig uneinsichtig ist, warum die vergleichsweise spärlichen als Welterbe ausgewiesenen Kulturgüter jegliche architektonische Weiterentwicklung verhindern sollten? Man muss sich dieses „wording“ auf der Zunge zergehen lassen: als wäre jegliche architektonische Weiterentwicklung (weltweit?) durch den Schutz von Kulturgütern verhindert!? Als wäre die Entwicklung jeglicher Architektur am Ende, weil es ein paar Kulturgüter gibt, die der Nachwelt erhalten bleiben sollen? Wie, wo und wodurch sollte diese Weiterentwicklung verhindert sein? Weil irgendwelche präpotente Bauherrschaften sich einbilden, ausgerechnet dort, wo es (sonst) niemandem gestattet ist, ihre architektonische Duftmarke zu setzen? Um ihre Macht über die Politik und damit über das „gewöhnliche“ Volk auf eine nicht mehr ganz originelle, weil seit Jahrtausenden übliche Art und Weise durch weithin auffällige Bauwerke zu demonstrieren?
Nein, danke, lieber Kulturmontag, für solche Montagskultur, bei der ein gewisser Bauherr als Vater dieses „wording“ unübersehbar ist. Man kann sich denken, warum. Bleibt nur zu hoffen, dass es nicht auch die Sendung selbst beherrscht.

Helmut Hofmann
Kulturmontag-ORF 11.07.16 
von U.S. am 2016-07-11 um 09:23 Uhr
Ein Pflichttermin.
Der ORF zeigt sich einmal mehr als Sprachrohr der SPÖ. Dermaßen mit UNESCO und ICOMOS im Zusammenhang mit dem Weltkulturerbe umzugehen, ist für ein öffentlich rechtliches Medium nicht angemessen.
Das OWS-Steinhof nicht zu erwähnen, ist bezeichnend. Der sich weigernden Wiener Stadtregierung für Otto Wagners Jugendstilensemble die Aufnahme in die Liste der Weltkulturerbe zu beantragen, will man keine Probleme bereiten. Tatsache ist jedoch, dass ICOMOS trotzdem dafür den Heritage Alert ausgerufen hat und diesen im Jahresbericht 2015 dokumentiert.
Kulturjournal 11.Juli 2016 
von Eilsläuferin am 2016-07-12 um 11:22 Uhr
habe mir die Sendung gerade nachgehört, hätte schlimmer sein können. Prof Kühn war OK!
Bedauerlicherweise ist der "Kulturmontag" mittlerweile auch nur mehr eine von der Politik gesteuerte Sendung, 
von Kraft am 2016-07-10 um 09:39 Uhr
das hat man in der letzten Zeit auch an anderen Beiträgen beobachten müssen.

von objektiver Berichterstattung ist da keine Rede.

Ein besonderes Schmankerl zum Thema "Eislaufvereinhochhaus" findet man auch in der Landstrasser Bezirkszeitung vom 6./7.Juli 2016.

Hier äußert sich der (rote) Direktor des akademischen Gymnasiums, Meinhard Trummer, in grotesk peinlicher Weise "FÜR" das WEV Projekt. Worte wie Kultur, Stadtbild, Welterbe kommen in diesem Beitrag naturgemäß nicht vor. Wieder wird der wunderbare (anzumietende) Turnsaal im dritten Untergeschoß als unverzichtbarer Mehrwert des Projekts hervorgehoben. Als langjähriger Rapid-Nachwuchstrainer (!) wäre ihm dieser besonders wichtig. Dass die "City-Grünen" Tojner Profitgier vorwerfen, könne er nicht verstehen.

(Anm.: Auch Finanzstadträtin Brauner ist Rapidfan...)
Die Direktion des Akademischen Gymnasiums ...... 
von CR am 2016-07-10 um 11:35 Uhr
" Das Akademische Gymnasium in Wien wurde 1553 gegründet und ist damit das älteste Gymnasium Wiens und das zweitälteste der fünf Akademischen Gymnasien in Österreich. Die Schulausrichtung ist humanistisch...":

https://de.wikipedia.org/wiki/Akademisch...)


Ein öffentliches "Elite"- Gymnasium mit humanistischer Ausrichtung - da werden im rot-grünen Wien die Schulleiterposten natürlich "gezielt" besetzt!
Der personifizierte Niedergang des österr. Schulsystems: Keine Vorbilder mehr, nur mehr ABSTOSSENDE Beispiele! 
von Robert Richt am 2016-07-11 um 12:20 Uhr
Eliten darf es nicht mehr geben, alles wömöglich "Elitäre, Bourgoise, Imperiale ....." :
Weg damit!

Welterbe? Weg damit!
Schönheit? Ästethik? Weg damit!

Jux und Tollerei, schräge Events, Brot und spiele müssen es sein!

Das Jugendstilensemble Otto Wagner Am Steinhof?
Vie zu schön für die Kranken, viel zu teuer für die Alten - dort residieren WIR!
Die rot-grüne Nomenklatura von Wien

http://www.steinhof-erhalten.at

Als Nebeneffekt der Zerstörung geraten auch die
NS-Kindermorde am "Spiegelgrund"
in Vergessenheit!

Und der Tanz auf dem Volkan ist nichts
gegen das erhebende Gefühl,
im Pav. 23 - der ehem. Forensik, in dem die psychisch schwerkranken Gewaltverbrecher untergebracht waren -

luxuriös zu thronen!

Im Jugendstilambiente, abgehöben von der misera plebs, in einem denkmalgeschützten Park, fern vom lärmenden Verkehr, mit unverbaubarer Aussicht am Südhang, umgeben von der denkmalgeschützten Steinhofmauer:

UNBEZAHLBAR!

Das bezahlt uns nämlich das VOLK, dem es weggenommen wird!

http://www.semiosis.at/2016/07/08/schlie...












/
Wien Mitte: Eine Chronique scandaleuse soll uns gemahnen! 
von Kulturinteressierter am 2016-07-09 um 23:04 Uhr
Weil Wien-Mitte im Artikel angesprochen wurde. Da kann man nur auf die ausgezeichnete Analyse von Reinhard Seiß im Standard aus 2013 verweisen:

http://derstandard.at/1363707792313/Wien...

WIEN MITTE: CHRONIK EINES SÜNDENFALLS

In Kürze wird die neue Überbauung des U- und S-Bahn-Knotens eröffnet. Das Projekt ist Beispiel dafür, was passiert, wenn Parteipolitik und Spekulation Städtebau ersetzen - derstandard.at/1363707792313/Wien-Mitte-Chronik-eines-Suendenfalls
 
aktion 21 Datenschutzerklärung



aktion 21 Impressum



aktion 21 Petitionen



aktion 21 nun auch österreichweit ...



aktion 21 auf facebook



Alle Kommentare im Überblick ...



Bei Verweisen (sog. Links) und Kommentaren auf Veröffentlichungen mit thematischer Nähe identifizieren sich Aktion 21 pro bürgerbeteiligung bzw. die Verfasser eines Beitrags NICHT mit dem Inhalt des Links, sondern betrachten ihn nur als kritisches Zitat. Wir haben keinerlei Einfluss auf die Gestaltung und die Inhalte der verlinkten Websites und die eingebrachten Kommentare und distanzieren uns hiermit ausdrücklich von allen Inhalten aller von http://www.aktion21.at verlinkten Websites, die gegen geltendes Recht oder die "guten Sitten" verstoßen. Diese Erklärung gilt für alle auf dieser Website angebrachten Links und Kommentare und für alle Inhalte der Seiten, zu denen diese Links führen.

Cookies:
Das Cookie PHPSESSID wird vom Server automatisch erzeugt. Dieses Cookie ist nur für den Zeitraum einer Session gültig (also, solange das Browserfenster offen ist) und dient nur der besseren Benutzbarkeit der Seite. Es werden keine personenbezogenen Daten ermittelt, verarbeitet oder übermittelt! Daher ist auch keine explizite Zustimmung gemäß TKG § 96 Abs 3 erforderlich.