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Aktion 21
AKTION 21

Initiative Denkmalschutz: Weiterer Identitätsverlust in Döbling. Ein Ensemble in Untersievering wurde zerstört!




Dienstag, 20. Dezember 2016

Dieser Tage wurde das Haus Weinzingergasse 5 abgerissen. Es bildete mit seinen Nachbarhäusern ein geschlossenes historisches Ensemble. Das Haus zeigte sogar eine frisch restaurierte Fassade, doch das Gewinnstreben des neuen Eigentümers überwiegte, sodass es jetzt abgerissen wurde.

Abbruch: Weinzingergasse 5 ohne Schutzzonenwidmung

Da keine Schutzzone gewidmet war, konnte der neue Besitzer den Abbruch nach Belieben veranlassen, ohne dass irgendeine Behörde zustimmen musste. Besonders tragisch: Nur wenige Häuser daneben befindet sich die Schutzzone Sieveringer Straße (Ecke Weinzingergasse 1), sodass das historische Häuserensemble in der Weinzingerstraße 1-7 zur Gänze als Schutzzone hätte ausgewiesen werden können, ja sogar müssen. Das Haus wird – wie auch die anderen hier genannten in der Weinzingergasse - im Denkmälerinventar des Bundesdenkmalamtes angeführt (Dehio): "Verbauung E[nde]. 19. -A[nfang] 20. Jh. (...) Weinzingergasse 5, altdeutsch mit origineller, durch Risalite und Erker gegliederter Fassade und originalem Türblatt" (S. 602).

Wer verantwortet den Abriss politisch? Der Gemeinderat! Und auch der Bezirk Döbling?

Der aktuell gültige Flächenwidmungs- und Bebauungsplan, in dem diese Schutzzone nicht(!) ausgewiesen wurde, ist seit 19. Mai 2005 rechtsgültig (Plandokument 7646). Der Wiener Gemeinderat respektive die damalige Stadtregierung hätte also vor 11 Jahren handeln müssen, doch wurde – wie viel zu oft in Wien – auf eine Schutzzonenerweiterung "vergessen". Ob auch die Bezirksräte von Döbling damals eine Schutzzone angeregt hatten, ist uns derzeit (noch) nicht bekannt, doch aus ähnlichen Fällen wohl zu bezweifeln. Deren Stellungnahme hätte jedoch wesentlichen Einfluss auf den damaligen Beschluss im Gemeinderat gehabt.

Nächstes Opfer in Hietzing: St. Veit-Gasse 34, sogar innerhalb(!) einer Schutzzone

Für das Haus des letzten Bürgermeisters von Unter St. Veit (St. Veit-Gasse 34, Ecke Kupelwiesergasse 39), haben dieser Tage die Vorbereitungen zum Abriss begonnen. Das ebenerdige, aus der Frühgründerzeit stammende Haus, in dem der letzte Bürgermeister (Heinrich Schönich, bis 1891) seine Wohnung und Werkstätte hatte, bestand bis Anfang Dezember 2016 ziemlich unverändert und ist das letzte erhaltene Unter St. Veiter Haus vom Typus des dörflichen Handwerkerhauses. Wieso das Haus trotz Schutzzone abgerissen werden kann (technische/wirtschaftliche Abbruchreife?), weiß wohl nur die Baupolizei (MA 37). Mehr Infos und Fotos über dieses Haus finden Sie hier: www.1133.at/document/view/id/146

Fotos: Initiative Denkmalschutz/Erich J. Schimek; Weitere Fotos Weinzingergasse 5 von Erich J. Schimek: www.flickr.com/photos/id_ejs/sets/72157677029157526

Rückfragehinweis:

Markus Landerer und Claus Süss
mobil: 0699 / 1024 4216 oder 0676 / 740 43 27
Initiative Denkmalschutz
www.initiative-denkmalschutz.at

Literatur:

Dehio Handbuch - Die Kunstdenkmäler Österreichs, Wien X.-XIX. und XXI.-XXIII. Bezirk. Topographisches Denkmälerinventar, Herausgegeben vom Bundesdenkmalamt, Wien 1996, S.602
Links zu diesem Thema
" Denkmalschutz in Wien: Toilettenanlage ja, Jugendstilvilla nein" 
von CR am 2017-01-22 um 13:41 Uhr
Ein aktuelles Interview in der bz

http://www.meinbezirk.at/hietzing/lokale...

Wolfgang Salcher vom Bundesdenkmalamt erklärt, wie und wofür ein Objekt in Wien Denkmalschutz erlangen kann.

Wie die denkmalgeschützten Objekte in Wien - wie das Jugendstilensemble Otto Wagner-Spital Steinhof, der "Spiegelgrund" - durch das BDA geschützt werden (oder nicht), wird hier leider nicht thematisiert.
Abriss in Döbling 
von Dr. Renée Gautron am 2016-12-28 um 10:11 Uhr
Ich bin zwar nicht Wienerin, aber das Herz blutet mir, wenn ich sehe, was für ein wunderschönes Haus mitten aus seinem Ensemble gerissen und zerstört wurde.

Wie nun die zuständigen Politiker argumentieren, nicht "dafür zuständig" zu sein, zeigt doch ihre unglaubliche Ignoranz und Kulturlosigkeit, denn auch ohne zuständig zu sein, hätten sie dieses Desaster verhindern können: Entwder sie sind so unkultuviert, dass sie keinen Unterschied zwischen diesen wunderschonen Bauten und den Betonklötzen, die man dann hinstellt, erkennen können, oder aber sie können es sehr wohl unterscheiden, und da darf man sich zu Recht fragen, warum sie das nicht verhindert haben.

Schade, schade.
Kulturschande! 
von Beobachter am 2016-12-24 um 10:51 Uhr
die Kulturlosigkeit des Wiener Rathauses ist ein Skandal!

Nicht ohne Grund berichten derzeit die Printmedien kritisch über die derzeitige fehlende Stadtplanung: zB "wenn der Investor die Stadt gestaltet" (Wiener Zeitung, 22.Dezember 2016)
 
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