AKT!ON 21

Offener Brief an die Bundesministerin Fr. Maga. Köstinger


Montag, 5. März 2018

Sehr geehrte Frau Maga. Köstinger! Sehr geehrte Frau Bundesministerin!

Sie stehen als Regierungsmitglied dieser Regierung für ein neues Umwelt- und Tourismusministerium vor, nachdem das Lebensministerium für Land- und Forstwirtschaft anscheinend ausgedient hat. Aber für welche Umwelt setzen Sie sich ein, wenn Sie für eine ungebremste Individualverkehrsentwicklung sind?


„Erst stirbt der Wald, dann der Mensch...“ - leider gewinnt dieser Satz der 1980 er Jahre wieder Bedeutung. Ulmensterben, Eschentriebsterben, Kieferntriebsterben, Fichtenborkenkäferschäden machen Österreichs Wald zu schaffen. Massives Baumsterben in Wien – durch Streusalz-Einsatz auf die Spitze getrieben. Wieviel mehr fossiler Verkehr ist gesamtgesellschaftlich noch erträglich?

4,9 Millionen Autos (Kurier Wirtschaft, 27.2.2018) – davon 2,77 Millionen fahren mit Diesel - sind in Österreich 2017 zugelassen - 2,25 Millionen LKW sind 2017 über die Brennerautobahn gefahren (Die Presse, 18.1.2018).

Neuralgische Straßenbereiche weisen auf eine Verkehrsbelastung von 11.198 Kfz/24h (Zirler Berg/Nordtirol) bis zum Spitzenwert von 29.240 Kfz/24 h (Drautalstraße/Osttirol) kann aus dem Bericht an den Tiroler Landtag „Verkehr in Tirol 2016 – Strasse“ herausgelesen werden.

Bereits dieser knappe Zahlenausschnitt gibt eine Vorstellung und daraus ableitbarem jährlichem Schadstoffausstoß. Dessen Auswirkungen sind im Wald schon lange angekommen. Durch jahrzehntelangen Eintrag von Emissionen und Immissionen (Kfz- und Flugverkehr) in den Waldboden ist dieser anfällig geworden für großflächig auftretende Waldschäden (z.B. NÖ, Tirol).

Jahrzehntelanger Stickstoffeintrag aus den Verkehrsabgasen haben den Wald überdüngt und dadurch krankheitsanfälliger gemacht, das bestätigt die Waldforschung. Ein Anstieg von Schadholz und eine Holzqualitätsminderung sowie kürzere Baum-Umtriebszeiträume können auf Dauer nicht ohne entsprechende finanzielle Abgeltung für die WaldeigentümerInnen hingenommen werden. Trotzdem kann abgestorbener Wald nur langsam (hoffentlich) wieder ersetzt werden, aber er fällt zu lange als effizienter CO2 Speicher und Wasserkreislaufregler aus. Ein Wald-Ökosystem ist durch Geld nicht ersetzbar!

Es kann sich nur um Unkenntnis der Faktenlage handeln, wenn Sie Umweltzonen und Verkehrsverbote ausschließen. Über weitere Zahlen sollten auch Sie sich Gedanken machen:

Am 27.2.2018 gab es z.B. Feinstaubüberschreitungen in St. Pölten, Europaplatz – 66 µg/m3, in Linz 89 µg/m3, in OÖ Enns Autobahn A1 77 µg/m3 und Salzburg Land 56 µg/m3 bei einem Grenzwert von 50 µg/m3. Am 28.2.2018 gab es in Klagenfurt Meßstelle A2 Nordausfahrt eine Grenzwertüberschreitung von NO2 von 301 µg/m3, „nur“ 86 µg/m3 Feinstaub konnten in Wien-Liesing gemessen werden. Ebenso ist OZON leider zum „Dauerbrenner“ fast über das ganze Jahr geworden. Ein herausgegriffenes Beispiel vom Hermannskogel (Wienerwald) mit einer fast Überschreitung von etwa 178 µg/m3 am 18.8.2017. Im August 2017 gab es mehrere Überschreitung des WHO Zielwertes zum Schutz der Gesundheit von 120 µg/m3 an demselben beliebten Ausflugsziel. Der Umweltkontrollbericht von 2016 stellt an 52% der österreichischen Meßstellen eine Überschreitung des OZON-Zielwertes fest. Inwieweit handelt es sich um grobe Fahrlässigkeit, wenn Sie die Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) über krebserregende Eigenschaften der Dieselabgase ignorieren. 2012 wurde dieser schon länger bekannte Verdacht bestätigt. Ein Verbot speziell von älteren Dieselfahrzeugen wird in dem letzt genanntem Umweltkontrollbericht empfohlen!

Unwetter- und klimabedingte Schäden belaufen sich inzwischen auf durchschnittlich 1 Milliarde Euro jährlich! (Umweltbundesamt Klimaschutzbericht 2017) Durch Nichthandeln steigern sich diese Kosten exponentiell. Die geschätzten Kosten werden bis zur Mitte dieses Jahrhunderts bis zu 8,8 Milliarden Euro jährlich sein (Umweltkontrollbericht 2016).

Damit wird wohl auch Ihnen verständlich sein: klimafeindliche Infrastrukturprojekte um Milliardenbeträge zu ermöglichen sind die falschen Investitionen in eine außer Kontrolle geratene Verkehrsentwicklung.

Mit umweltfreundlichen Grüßen
Klaus Wechselberger
Umweltinitiative Wienerwald