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AKTION 21

UNESCO: Wien ist und bleibt das Sorgenkind


Dienstag, 30. Jänner 2007

"Wien ist und bleibt das Sorgenkind"

Von Christian Mayr (Wiener Zeitung)

Unesco-Rat Icomos plant neuen, kritischen Bericht zu Wien.

Hauptbahnhof-Projekt, Dachausbauten und Hochhauskonzept im Visier.
Präsident Michael Petzet: "Es ist zu Verschandelungen gekommen!"

Wien. Nach den Querelen rund um das Hochhaus-Projekt Wien-Mitte, bei dem Wien 2003 der Entzug des Prädikats "Weltkulturerbe" drohte, bahnt sich nun neuer Ärger mit der Unesco an: Michael Petzet, Präsident des Unesco-Denkmalrates Icomos (siehe Lexikon) , kritisiert im Exklusiv-Interview mit der "Wiener Zeitung" die derzeitige Entwicklung: "Wien ist und bleibt unser Sorgenkind. In einem neuen Bericht werden wir den Wiener Problemen besondere Aufmerksamkeit zukommen lassen."

Wien wird auf Liste gesetzt
Konkret bemängelt der einflussreiche Icomos-Chef u.a. die Planungen mit zwölf Hochhäusern rund um den neuen Hauptbahnhof, die weiteren Dachausbauten im historischen Zentrum sowie die Weigerung der Stadt, die Bauregeln für Hochhäuser (Hochhauskonzept) zu verschärfen.
In dem angekündigten Sonderbericht, der laut Petzet bis Ende des Jahres erstellt werden soll, werde diesen Themenfeldern breiter Raum eingeräumt. Der Bericht werde dann nicht nur an die Unesco nach Paris geschickt, sondern auch im Internet publiziert – womit Wien auf die Icomos-Liste der gefährdeten Welterbe-Stätten ("Heritage at Risk") kommt. Diese Liste sei zwar nicht mit der ominösen "Roten Liste" der Unesco zu verwechseln, die als Vorstufe des Titel-Entzuges gilt, dennoch sei dies ein Instrument "um Kritik zu üben", erklärt Petzet.

Könnte Wien auf Basis dieses Berichts auf die "Rote Liste" wandern oder gar den Weltkultur-Erbe-Status verlieren? Petzet meint dazu diplomatisch: "Das ist nicht unsere Sache, das ist Sache des Welterbe-Komitees. Denn wir sind ja nur beratend tätig. Ich denke, man sollte nicht mit der Aberkennung drohen." Drohgebärden habe er einst bei Wien-Mitte nur deshalb eingesetzt, weil "es damals zum Verzweifeln war".

Im Detail bemängelt Petzet an der Situation in Wien:
Die Widmung für den neuen Hauptbahnhof mit zwölf Hochhäusern – das höchste misst 100 Meter – in unmittelbarer Nähe des Belvedere (und der Welterbe-Zone) wurde im Dezember im Gemeinderat beschlossen – und ist somit rechtsgültig: "Damit sind jetzt Tatsachen geschaffen. Aber es wäre besser gewesen, man hätte uns über das Projekt vorher genau informiert", moniert Petzet. Und er merkt an, dass in anderen Ländern – wie Deutschland – die Einbindung der Icomos auch funktioniere und somit Problemfelder vorab geklärt würden.

Wie im Vorjahr beim Komet-Turm nahe Schönbrunn kann sich Petzet auch hier nun eine eigene Experten-Kommission vorstellen, die das Projekt begutachtet: "Das könnte passieren. Wir bleiben jedenfalls sehr wachsam."
Betreffend Dachausbauten mahnt er rigoroses Vorgehen ein: "Das begeisterte Draufsetzen ist leider Teil der Wiener Dachlandschaft geworden. Und dadurch ist es zu einer Verschandelung gekommen! Aber es muss künftig absolut Rücksicht auf den historischen Bestand genommen werden", sagt Petzet. Er hofft, dass die getroffenen gesetzlichen Restriktionen auch bald im Stadtbild zu erkennen sein werden – und nicht weitere Altlasten auftauchen.

Harsch reagiert Petzet auf die Aussagen von Planungssstadtrat Rudolf Schicker gegenüber der "WZ", wonach das Hochhauskonzept nicht verschärft werde. "Das ist mir völlig unverständlich, denn das wäre sehr wichtig." Wie berichtet, war Wien bei der letzten Welterbe-Sitzung in Vilnius aufgefordert worden, das städtische Turm-Konzept zu adaptieren ("fine-tuning"): "Es geht nicht darum, grundsätzlich gegen Hochhäuser zu sein – aber es gilt, das Umfeld zu schützen und dass die wichtigen Sichtachsen nicht gestört werden. Hier muss das Hochhauskonzept auf den Wiener Bereich besser abgestimmt werden", mahnt Petzet.

Mehr Macht für Denkmalamt
Kritik übt der 73-jährige Münchner aber auch am Bund: So sei es "ein besonderes Problem", dass etwa das Denkmalamt keine Kompetenz habe, sich in Angelegenheiten des Stadtbildes einzuschalten oder benachbarte Projekte verhindern zu können. "Bei Baudenkmälern ist aber das Umfeld von großer Bedeutung, weil der authentische Charakter erheblich gestört werden kann." Auch sei es ratsam, noch nicht geschützte Objekte rascher unter Denkmalschutz zu stellen.

Wiener Zeitung am Dienstag, 30. Jänner 2007
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