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10.000 stimmten für Markthalle, Ungewohnte Allianz: Blau, Grün, Schwarz und Kommunisten einig im Kampf um Landstraßer Nahversorger


Mittwoch, 11. April 2007

10.000 stimmten für Markthalle
Ungewohnte Allianz: Blau, Grün, Schwarz und Kommunisten einig im Kampf um Landstraßer Nahversorger

WIENER ZEITUNG
von Werner Grotte

Nur SPÖ fehlte bei Demo am Donnerstag.
Stadt verweist auf zu teure Sanierung.

Wien. "Jetzt verratens die kleinen Leut scho wieder; wo kann i unterschreiben?" Sätze wie diese hörte man Donnerstag ab 10 Uhr vielfach aus dem Mund sonst offensichtlich gestandener Rot-Wähler: In nie gekannter Einigkeit demonstrierten Grüne, FPÖ, ÖVP, KPÖ sowie die überparteiliche "Aktion 21" vor der Landstraßer Markthalle bei Kaiserwetter gegen deren Schließung. Gegen 12 Uhr lag man bereits bei rund 10.000 Unterschriften.

Sogar die Frontfrau der Niederösterreichischen Grünen, Madeleine Petrovic, war angereist: "Rund 180.000 Pendler kaufen tagtäglich in Wien ein, viele davon an diesem Verkehrsknoten hier", betonte Petrovic. "Die Leute kommen wegen der Vielfalt; einen Interspar habens daheim auch", spielt ihre Kollegin und Wiener Gemeinderätin Heidi Cammerlander auf die geplante Absiedlung aller Geschäfte bis auf eine Supermarktfiliale an.

Nur wenige Meter daneben macht Wiens ÖVP-Klubobmann Matthias Tschirf, selbst gebürtiger Erdberger und bis heute im Bezirk ansässig, seinem Ärger Luft: "Markthallen wie diese sind altes europäisches Kulturgut; andere Städte werben mit so etwas, hier sperrt man es zu!"

Vollwert statt Kebab

Unweit davon fordert FPÖ-Bezirksrat Dietrich Kops statt der Sperre eine Hebung des Marktniveaus: "Die SPÖ hat 20 Jahre lang nichts getan, hat leerstehende Stände zum Teil an Ausländer verschenkt und argumentiert jetzt mit dem schlechten Niveau, um die Halle zu schließen." Kops wünscht sich eine Attraktivierung "durch Bio-Geschäfte und Bauern, die hier hochwertige Ware verkaufen das ist ein Markt, der seit Jahren wächst. Kebab und billige Ledertaschen gibt es an jedem Eck".

Dass so etwas funktioniert, demonstriert die Tirolerin Cammerlander, indem sie den Chef der Innsbrucker Markthalle eingeladen hat: "Der hat die Halle 2003 defizitär übernommen und schrieb im Vorjahr bereits wieder schwarze Zahlen." Unter anderem mit Tages-Verkaufs-Schwerpunkten, etwa für spezielle Frauen-Handwerksprodukte.

KPÖ-Bezirksrätin Susanne Empacher sieht wiederum die Markthalle als gutes Beispiel für "gelebte Integration, wo man Türkinnen, Chinesinnen, Schwarzafrikanerinnen und Wienerinnen trifft".

Jenseits aller politischen Untiefen freut sich Aktion21-Sprecherin Herta Wessely über den Andrang: "Diese Halle wird nicht geschlossen, das werden wir dem Herrn Bürgermeister zeigen", gibt sich die ehemalige Bacherpark-Chef-Aktivistin siegessicher. Nicht ganz unglaubwürdig: Auch der per Grätzelabstimmung verhinderte Garagenbau in Margareten war von SPÖ-Bezirksvorstehung und Stadtregierung davor jahrelang als "bombensicher" gefeiert worden.

Während sich Passanten an den von allen Fraktionen angebotenen bunten Äpfeln und Ostereiern labten und brav unterschrieben, herrscht im Inneren der Halle weniger Aufbruchstimmung: "Es wär schön, wenn die Leut, die da draußen unterschreiben, auch bei uns einkaufen täten", sagt eine Fleischverkäuferin, die seit zehn Jahren hier einen Stand betreibt. "Immer, wenn was in der Zeitung steht, werden es noch weniger Kunden", ergänzt eine Kollegin vom Gemüsestand gegenüber. Tatsächlich hält sich der Ansturm in der Halle drei Tage vor Ostern in Grenzen.

Im Wiener Rathaus argumentiert man selbstbewusst: "Eine Generalsanierung würde 20 Millionen Euro Steuergeld kosten", erklärt Wiens SPÖ-Marktsprecher Nurten Yilmaz: "Die eigenartige Allianz von Grünen, Schwarzen und Blauen war bisher nicht in der Lage, zu erklären, woher dieses Geld kommen soll".

Möglicherweise wollten diese Parteien "Sozialhilfe, Wohnbeihilfe oder Schulförderungen kürzen, damit weiter schwer subventionierte Schnitzel in der Landstraßer Markthalle verkauft werden können", fragt sich Yilmaz.

Donnerstag, 05. April 2007
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